⭐️ Baltazaar und der Valentinstag

💞 Baltazaar und der Valentinstag 💞
Es ist dunkle Nacht.
Am Morgen beginnt der wichtigste Tag aller romantischen Mäuse-Frauen.
Baltazaar, der treue und durchaus aufmerksame Ehemann von Wilma ZauberMaus liegt bereits seit Stunden gemütlich in seinem warmen, kuscheligen Bett.
Er träumt vor sich hin, säuselt und schnarcht im Schlaf.
Er schläft so tief und fest, dass er mal wieder nicht bemerkt , das Wilma ganz leise ihre Bettdecke zur Seite gelegt, aufgestanden und danach zur Schlafzimmertür hinaus ist.
Plötzlich raschelt es mehrmals leise ganz hinten in einer dunklen Zimmerecke.
Baltazaar, gerade von seinem eigenen Schnarchen geweckt...spitzt seine Ohren.
"Wer wagt es , mich mitten in der Nacht ungefragt zu stören und aus dem Schlaf zu reißen ?" knurrt er vor sich hin.
Lauschend hört er in die Dunkelheit hinein.
Ein Geräusch wie ein Kichern...wieder Geraschel.
Unwillig setzt sich der Mäuserich auf seine Bettdecke.
Dabei bemerkt er , dass das Bett neben ihm leer ist,
"Typisch..." denkt er mürrisch.
"Das holde Weib ist mal wieder nicht da.
Nein, natürlich nicht und wer darf sich jetzt wieder wecken lassen.
Ich..ich...wer sonst.
Da wird einem doch glatt nicht einmal das bisschen Ruhe gegönnt."
Wieder ein Rascheln.
Baltazaar verzieht das Gesicht.
Das...das wird doch wohl am Ende nicht eine Kakerlake sein ?
Wenn er eins partout nicht ausstehen kann, dann diese wirklich widerlichen Viecher.
Hiiiiiiiiilfeeeeeeeeeeeeeeee....mit einem Satz steht er
auf dem Bett.
Seine Schnurrhaare stehen ihm zu Berge.
Kakerlaken...hier - in diesem Zimmer.
Seinem geliebten Schlafzimmer.
Nein, verdammt nochmal nein.
DAS geht ganz und gar nicht und nur in Anbetracht dessen,
dass es mitten in der Nacht und er im Grunde doch ein rücksichtsvoller Mäuserich von Welt ist , schreit er nicht
laut durch die Gegend.
Aber er blickt mehr wie verängstigt in die Richtung, aus der dieses
Rascheln kommt und jetzt immer mehr zu einem lauten
Geraschel wird.
"Können Kakerlaken eigentlich lachen ?" denkt er, halb gelähmt vor Angst und Abscheu.
Seine Ohren verfärben sich langsam grünlich.
Er kann irgendwie keinen klaren Gedanken mehr denken und beschließt deshalb:
Augen zu !
Gedacht...getan...klapp....Augen zu.
Er kneift sie sogar noch extra fest zu , damit er auch ja nichts mehr sehen kann.
Doch nun ist es eigentlich noch gruseliger, denn eins hat Baltazaar in aller Aufregung vergessen.
Er hört noch...hört immer noch so etwas wie ein Kichern und dann... schockschwere Not...leise, kleine Tippelschrittchen.
"Was soll das , verdammte Axt, wer ist da...das ist nicht lustig...los, zeig Dich !" brüllt Baltazaar.
Seine Bettdecke bewegt sich plötzlich und Baltazaar's Herz schlägt auf einmal sehr viel schneller.
Während er noch überlegt, ob er einfach durch das Fenster
weglaufen oder doch lieber schreien sollte...
völlig egal, wie spät es nun ist...zupft jemand an seinem grau-weiß gestreiften langen Nachthemd.
"Heeeeeeeeee....Du da oben...." flüstert es.
"Los ...guck doch mal, hier bin ich !"
Der Mäuserich schüttelt unwillig den Kopf, verdeckt seine Augen nun ganz mit seinen Pfoten.
"Ich will lieber gar nicht sehen, wer da ist." denkt er.
"Aber...neugierig bin ich ja irgendwie doch.
Was mache ich jetzt nur ?
Ich weiß...Ich strecke vorsichtig und unauffällig zwei Finger auseinander und durch die entstandene Lücke kann ich dann mal schauen, wie die Lage so ist."
Gesagt...getan.
Auf seiner Bettdecke steht ein ziemlich runder, pausbäckiger
Engel mit roten Wangen, weißen, watteähnlich aussehenden Flügelchen und grinst ihn an.
"Ich bin Amor !" stellt er sich lächelnd vor.
Baltazaar traut seinen Augen und Ohren nicht.
Das darf ja wohl nicht wahr sein,
Da hockt dieser Fettklops grinsend mit seinen lächerlichen Flügelchen auf seiner Bettdecke und erwartet allen Ernstes, dass er...der Mäuserich von Welt, sich darüber freut , dass ihn so eine Butterbirne aus dem Schlaf gerissen hat.
"Was bildet sich dieser übergewichtige, kleine Klops eingentlich ein ?"
Wütend stemmt er beide Pfoten in seine Hüften.
Seine Ohren glühen feuerrot und seine Schnurrhaare zittern gefährlich.
"Sag mal... Pummelfritze..." beginnt er, bevor er vom Bett herunter auf den Boden springt.
"Bist Du eigentlich noch ganz bei Trost ?
Weißt Du eigentlich, wie spät es ist, Du Butterbirne...hääääää ?"
Amor lächelt selig.
"Mitnichten, mein Freund...mitnichten.
Dem Glücklichen und Seligen schlägt keine Stunde." erwidert er ruhig und milde lächelnd.
Ungläubig starrt Baltazaar ihn einen kleinen Moment an.
"Ich wollte Dich nur daran erinnern, dass heute Valentinstag ist, mein Mäuse-Freund.
Der Tag der Liebenden."
Jetzt platzt dem Mäuserich endgültig der Kragen.
"Ja, sag mal...sehe ich etwa so aus, als wenn ich den Valentinstag feiern würde , hääää ?
Ich will verdammt nochmal schlafen und deshalb...nimm deine Flügelchen und Deinen "was immer das darstellen soll" und mach Dich gefälligst vom Acker !
Oder soll ich etwa nachhelfen ???"
Baltazaar schreit mittlerweile und es ist ihm auch völlig egal, dass es mitten in der Nacht ist.
Wenn er nicht schlafen kann, weil er von so einem komischen Vogel geweckt wird, dann können gefälligst auch alle anderen wach sein.
Soll er doch in das Haus zwei Gärten weiter gehen.
Ja, denkt er.
Das ist eine brillante Idee.
Ohne mit der Wimper zu zucken packt er den keinen, runden Amor und setzt ihn außen auf die Fensterbank des Schlafzimmerfensters.
Laut knallt er das Fenster zu.
Puh, den ist er los.
Endgültig.
Valentinstag.
Er schüttelt angewidert den Kopf.
Bestimmt erwartet Wilma wieder schwachsinnige Blumen und überteuertes Konfekt, dass weder schmeckt noch ihrer eh schon viel zu runden Figur gut tut.
Jedes Jahr der gleiche Krampf, denkt er...bevor er sich leise schimpfend wieder ins Bett legt, die Bettdecke hoch bis zur Nase zieht und augenblicklich wieder eingeschlafen ist.
Etwa fünf Stunden später.
Der Wecker reißt Baltazaar erneut aus dem Schlaf.
Mittlerweile ist es heller im Zimmer, denn die Sonne scheint durch den Vorhang, der das Zimmer etwas abdunkelt.
Wilma liegt nicht neben ihn.
War sie überhaupt in der Nacht zurück zu ihm ins Bett gekommen ?
Er weiß es nicht.
Durch die geschlossene Schlafzimmertür kann er sie fröhlich singen hören.
Es duftet nach frisch aufgebrühten Lindenblüten-Tee und der Duft von warmen Schokoladenkuchen durchflutet das Schafzimmer.
"Verdammt..." seufzt Baltazaar.
"Natürlich hat sie diesen völlig überflüssigen Tag nicht vergessen !
Ob es ihr wohl ausreicht, wenn ich jetzt ganz fröhlich und gutgelaunt in die Küche spaziere und zu ihr sage:
Wilma, meine liebste ZauberMaus.
Ein stattlicher Mäuserich , so wie ich einer bin ist meines Erachtens Geschenk genug.
Dieses Geschenk könnte von nichts übertroffen werden und deshalb, mein Wilmalein...habe ich es erst gar nicht versucht und schenke Dir heute, quasi als Zugabe...noch mein liebstes Lächeln dazu."
Baltazaar grinst sich selbstverliebt und zufrieden an, als er an Wilmas Schminktischen vorbeikommt.
"Hach, ich bin doch nun wirklich ein Geschenk für diese Welt !" denkt er.
Dann dreht er sich galant um sich selber und lächelt sich siegessicher zu.
Wer braucht bitte so einen überflüssigen Tag wie den Valentinstag, wenn er jeden Tag mit ihm, dem Mäuserich von Welt verbringen darf.
Er nimmt sich vor, sich heute besonders fein anzuziehen.
Denn dann kann Wilma ja gar nicht anders, als ihm dankbar um den Hals zu fallen.
Ja, ein wirklich guter Plan denkt er, bevor zu der kleinen Nische in der Ecke des Schlafzimmers geht und den Vorhang zur Seite zieht.
Dann klemmt er sich den großen Teddy mit dem roten Herzen auf dem Bauch unter den Arm.
Nimmt das schon vorbereitete Tablett mit den Blümchen und dem kleinen Herzkuchen, in dem ein wunderschöner Ring steckt und geht zur Schlafzimmertür, die er ganz vorsichtig öffnet.
Leise, auf Mäuse-Zehenspitzen geht er in das Wohnzimmer , in dem Wilma schon den Valentinstags-Tisch gedeckt hat.
Sie hat das Zimmer wie jedes Jahr mit vielen Herzen geschmückt und auf dem Boden, genau vor ihr steht ein Paket mit einer großen, roten Schleife.
Auf dem Tisch steht wie jedes Jahr seine Lieblingstorte.
Schokoladentorte.
Wilma hat sich heute besonders hübsch gemacht und mit Blumen geschmückt.
Baltazaar lächelt.
Vorsichtig trägt er das Tablett ins Wohnzimmer, drückt Wilma den Teddy in die Arme und geht dann in die Knie, um ihr den Ring anzustecken.
"Schönen Valentinstag , meine ZauberMaus."
© Tanja Finchen Hoffmann
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